8. Sitzung, 18.08.2025, 11:00-13:00 Uhr

Protokoll des NFDI4Objects Community Clusters “Denkmal-, Maßnahmen-, Schutzflächen / Protected Heritage Sites”

vom 18.08.2025, 11:00-13:00 Uhr

Chairs: Ulrich Himmelmann (GDKE), Christian Bollacher (LAD)

Teilnehmende: 21

Agenda

  1. Begrüßung und Tagesordnung

  2. Termine und Ankündigungen

  3. Die Problematik der Datierungsangabe

  4. Abschluss

1. Begrüßung und Tagesordnung

Die Chairs begrüßen die Anwesenden, eröffnen die Sitzung und stellen die Tagesordnung vor. Kurzer Rückblick zur letzten Sitzung. Christian Bollacher ist aus dienstlichen Gründen verhindert.

2. Termine und Ankündigungen

Das nächste Treffen des CCs findet am Montag, 22.09.2025, von 11-13 Uhr statt.

In der Sitzung werden wir einerseits das Thema “Datierungen” abschließen und uns anschließend weiter mit dem Datenmodell zu Citizen Science beschäftigen.

Außerdem Hinweis auf das NFDI4Objects Community Meeting 2025 in Bochum vom 30.09. bis 02.10.2025. Nähere Hinweise, Anmeldung und Programm sind auf der Webseite von NFDI4Objects zu finden: https://www.nfdi4objects.net/activities/n4o_activity_20250930-0800/

3. Die Problematik der Datierungsangabe

Es gibt verschiedene Probleme mit der Angabe von Datierungen in den Fachinformationssystemen und insbesondere, wenn man diese Datierungen austauschen will. Hauptproblem dabei ist, dass Datierungen ganz unterschiedlich angegeben werden können (s. z.B. https://www.w3.org/TR/owl-time/).

So können Zeitangaben einerseits als absolute Jahreszahlen, z.B. als ISO Datum, angegeben werden (z.B. “1776”), andererseits auch semantisch vage (z.B. “im späten 18. Jh.”). Während eine Jahreszahl maschinenlesbar angelegt werden kann, ist eine semantische Datierungsangabe nicht direkt maschinenlesbar. Eine semantische Freitext-Angabe kann z.B. in LIDO in einem separaten Feld angegeben werden (LIDO:displayDate).

Viele Landesämter arbeiten mit mehrstufigen Thesauri wie bspw. dem VLA-Zeitstrahl (https://www.landesarchaeologien.de/fileadmin/mediamanager/004-Kommissionen/Archaeologie-und-Informationssysteme/Thesauri/Zeitstrahl_V01.pdf), die von einer groben Datierungsansprache auf immer feinere Ebenen präzisieren. Zwei Landesämter, die den gleichen Thesaurus nutzen, können darüber die gleichen Datierungsangaben austauschen, allerdings muss zuvor festgelegt werden, bis auf welche Präzisionsebene die Datierung reicht.

Datierungen können sowohl relativ als auch absolut angegeben werden. Insbesondere bei den relativen Datierungsangaben kann es zu dem Problem kommen, dass Epochenbegriffe ein regional unterschiedlich datierendes Phänomen umfassen (z.B. ist Bronzezeit in Süddeutschland nicht unbedingt zeitgleich zu Norddeutschland, wenn man nach absoluten Jahreszahlen geht), oder ein stilistisches Phänomen beschreiben, dass den eigentlichen Epochenzeitraum überschreitet (z.B. Kirchen in bestimmten Baustilen). Eine solche Angabe, worauf sich die Datierung bezieht, wird z.B. im Dienst idai.ChronOntology durch einen Epochentyp (z.B. kulturell, geologisch, materielle Kultur) angegeben.

Ein weiteres großes Problem bilden Zeitspannen und v.a. Hiatus. Zeitspannen können einerseits definiert (z.B. “Römerzeit”) und andererseits als von-bis Angabe angegeben werden. Bei einem Hiatus stellt sich das Problem, dass die Zeitspanne unterbrochen wird. In LIDO sind Events vorgesehen, in die die Datierung unterteilt wird (z.B. Events Gründung, Besiedlungsdauer, Zerstörung, Neugründung etc.).

Auch Unsicherheiten oder Übergangsdatierungen bilden ein großes Problem, da sie nicht eindeutig maschinenlesbar sind (z.B. “Lt C/D”). Hier muss ein Weg gefunden werden, diese Unsicherheiten abzubilden.

Die Landesämter nutzen verschiedene Formen, um Datierungen in ihren Fachinformationssystemen anzugeben. Ziel des Datenmodells ist es nicht, die “perfekte Zeitangabe” zu finden, sondern den bestehenden Lösungen gerecht zu werden, sodass ein Austausch zwischen den verschiedenen Systemen möglich ist. Eine minimale Schnittmenge ist dabei das Ziel, alles darüber hinaus umso besser.

Im Kulturerbeobjekt-Datenmodell waren bislang drei Felder für die Datierung vorgesehen: Ein Feld zur Datierung selbst (das es in dieser Sitzung auszubauen gilt), ein Feld zur Datierungsgrundlage (z.B. Funde, Dendrochronologie etc.) und ein Feld zur Datierungssicherheit. Alle drei Felder gilt es zu diskutieren. Außerdem sollte besprochen werden, ob die Datierungsangabe verpflichtend oder optional sein sollte, und wie mit Unsicherheiten umgegangen wird.

3.1 Ideen und genutzte Systeme
  • vorgeschaltetete Thesaurus-Datenbank mit Thesauri/Wortlisten aller beteiligten Institutionen

Aus einer solchen Thesaurus-Datenbank könnten die Institutionen auswählen, auf welche Datierungsform sie sich mappen möchten. Die verschiedenen Datierungen/Thesauri könnten z.B. auf DANTE gehostet werden.

  • Standardisierte Syntax für numerische Zeitangaben

Bspw. MIDAS (https://ddk-data.online.uni-marburg.de/w/index.php/1024\_(numerische_Datier.)) oder Extendes Date/Time Format (https://www.loc.gov/standards/datetime/)

Eine einheitliche Schreibweise, mit der auch verbale Zeitangaben ausgedrückt bzw. übersetzt werden können. Für eine Übernahme in die Fachinformationssysteme müssten hierzu allerdings Vorarbeiten geleistet werden, um sicherzugehen, dass alle verbalen Datierungsangaben in die gleichen numerischen Zeitangaben übersetzt werden können.

  • universeller, abstrakter Zeitstrahl, daran angehängt sowohl absolute Jahre als auch relative Epochenbegriffe

Ein Zeitstrahl mit Null-Punkt beim Urknall. Darauf verortet werden sowohl absolute Jahre als auch relative Epochenbegriffe bzw. Zeiträume, mit dem Hinweis, woher die Datierung jeweils kommt und einer Kontextualisierung. Eine Datierungsabfrage greift auf den universellen Zeitstrahl zu liefert alle Ergebnisse, die auf dem universellen Zeitstrahl im abgefragten Zeitraum liegen.

  • Event-orientierte Datierung wie in LIDO und CIDOC CRM: Felder für Datierung von-bis, Feld für verbale Datierung, und Feld für Zeitstellung als Epochenbegriff

Das System ermöglicht die Abbildung von Hiatus. Epochenübergreifende Begriffe werden allerdings nicht verwendet. Stattdessen wird auf möglichst wenige Begriffe reduziert. Die Epochen sind am VLA-Zeitstrahl orientiert. Außerdem gibt es in LIDO die Möglichkeit, Unsicherheiten auszudrücken. Es ist besser, eine geschätzte Datierung zu haben, als gar keine. Für den Bezug der Datierung (welche “Rolle” die Datierung einnimmt, z.B. Bauzeitraum, Zerstörung, Belegungszeit etc.) bräuchte man einen Rollenkatalog o.ä., um die entsprechenden Rollen auszuwählen. Dieses Modell kann allerdings vermutlich nicht aus allen bestehenden Systemen abgeleitet werden.

  • Mehrstufige Datierung: grober, maschinenlesbarer Thesaurus/Wortliste für Filterung und Interoperabilität; feinere Ansprache als Freitext, der nicht gemappt werden kann/muss

Die Interoperabilität könnte entsprechend in diesem Modell auf einer höheren Ebene gewährleistet werden, wohingegen die feinstufigere Ansprache nicht gemappt werden müsste. Als Grundlage für diese gröbere Ansprache könnte die Datierungswortliste aus ADEX oder der VLA Zeitstrahl dienen. Zur Abfrage von Epochen ist die Verknüpfung mit einem Zeitstrahl (s.o.) denkbar. Die Grobdatierung könnte als Mapping-Grundlage genutzt werden, sodass die Interoperabilität gewährleistet wird, während die feinstufigere Unterteilung (vllt. auch die absoluten Jahreszahlen) nicht maschinenlesbar sein müssen. Dieses Modell erfordert allerdings, dass alle Systeme ein Feld zur Grobdatierung vorhalten oder ergänzen.

  • Absolute Datierung in Jahreszahlen und verbale Datierung für feinere Ansprache oder als Alternative, wenn keine absolute Datierung bekannt ist

Dieses System könnte auch die Baudenkmalpflege abbilden, da absolute Jahreszahlen für Gebäude notwendig sind. Alternativ müsste hier ein Mapping auf Jahrhunderte o.ä. stattfinden oder z.B. der VLA Zeitstrahl ergänzt werden.

  • Angebot verschiedener Datierungsfelder durch Datenhalter, Datennutzer entscheidet, welche Felder wie aufgenommen werden sollen, Konvertierungsregeln zur Transformation

Ziel ist, dass keine zusätzlichen Felder in den internen Systemen angelegt werden müssen. Deshalb sollen Konvertierungsregeln (ähnlich den Datums-Transformationsregeln für geodätische Daten) maschinell festlegen, welche Datierungsangaben wie für andere Systeme konvertiert werden (können). Dazu müssten die Datengeber Beziehungen zu einem grundlegenden Thesaurus o.ä. herstellen oder ihre Daten genau beschreiben, sodass die Daten automatisch transformiert werden könnten. Diese Konvertierungsregeln könnte man in Form eines Thesaurus anlegen.

3.2 Pflichtfeld/optionale Angabe
  • für eine verpflichtende Angabe der Datierung muss es eine Option “Datierung unbestimmt” geben

  • alternativ (so bei der DDB) keine ausschließliche Verpflichtung, sondern dringende Empfehlung

3.3 Zwischenfazit
  1. Wir brauchen eine Grundlage/Mittelinstanz, die es ermöglicht, Daten und Begriffe aufeinander zu mappen. Der VLA Thesaurus könnte hier als Grundlage dienen, er könnte auf DANTE gehostet werden.

  2. In vielen Systemen existieren semantische Beschreibungen, die detaillierter als absolute Angaben sind. Wir brauchen also ein Freitextfeld.

  3. Parallelisierung verschiedener Datierungen möglich machen (Zeitstrahl/Zeitschieber?)

  4. Unschärfe ist wichtig, die Angabe sollte auf jeden Fall bestehen.

  5. Eine verpflichtende Datierungsangabe ist ggf. gar nicht notwendig.

4. Abschluss

In der kommenden Sitzung am 22.09. wird ein Beispiel mit den besprochenen Datierungsebenen vorgestellt, anhand dessen auch die Verpflichtung diskutiert werden kann.

Wenn noch Zeit ist, wird sich in der Sitzung darüber hinaus mit dem Citizen-Science-Datenmodell beschäftigt.

QR Code

Offizielles Logo von NFDI4Objects

8. Sitzung, 18.08.2025, 11:00-13:00 Uhr

QR Code

0 Kommentare

Kommentare werden geladen ...